DPB 2026 Vorschau
In zwei Wochen startet die Bundesliga in die Saison 2026. Los geht es am 18./19.04. wieder mit einem geteilten Spieltag. Acht Teams spielen in Gersweiler, sechs Teams spielen erstmals in der Halle in Petterweil (Karben in Hessen). Zeit, auf die Favoriten zu schauen, einiges rund um die Bundesliga zu beleuchten und euch nach euren Tipps zu fragen. Unser Sport lebt von den Menschen, die ihn betreiben und begleiten. Zwei Menschen werden wir in diesem Jahr nicht bei der Bundesliga sehen.
Abschied von Winfried „Winne“ Hess
Sieben Wochen vor der Saison verstarb nach längerer schwerer Krankheit Winfried „Winne“ Hess, der Präsident des PC Burggarten Horb. Winne war Gründungsmitglied und eins der Gesichter des Vereins. Neben seinem Engagement in Horb bereicherte er die Boule Landschaft in Baden Württemberg und in ganz Deutschland. Ich erinnere mich an viele schöne Begegnungen mit Winne am Rande der Bundesliga und an die gemeinsame Zeit beim Euro Cup. Winne, du wirst deiner Familie, deinem Verein und auf den Bouleplätzen fehlen. Dein Spirit und dein Andenken werden uns weiter begleiten.


Die Vorsaison
Im letzten Jahr konnte sich Waldhof Mannheim erstmalig den Titel sichern. Souverän wurden 14 Siege eingefahren, nur gegen den Meister der Jahre 2024, 2023 und 2022, Burggarten Horb, gab es eine knappe Niederlage. Horb sicherte sich den Vizetitel, den dritten Platz konnten sich die Hessen aus Viernheim sichern.
Die Absteiger schienen frühzeitig festzustehen, am letzten Spieltag holten die „Unabsteigbaren“ aus Bochum vier Siege und schafften das Wunder von Achern. Leidtragende waren die Zehlendorfer, die einige Chancen auf Punkte liegen ließen und die Bochumer in der Tabelle passieren lassen mussten. Einen Wiederaufstieg der Zehlendorfer wird es nicht geben, das Team hat sich aufgelöst.

Die Favoriten
Wären wir beim Fußball und nicht beim Petanque, gäbe es sicher eine öffentliche aktuelle Liste, mit allen gemeldeten Spielern der 16 Teams. So kann hier nur über Veränderungen spekuliert werden. Einige Wechsel hat petanque-aktuell gemeldet, einiges kann man aus Fotos und Berichten auf Facebook interpretieren, die Wahrheit liegt wie immer auf dem Platz.
Die großen Favoriten auf den Titel 2026 werden wieder die beiden BaWü Teams Mannheim und Horb sein. Mit Sascha Wagner hat ein Nationalspieler die Seiten gewechselt, Sascha verstärkt nun die Horber. Damit sind beide Teams auf Augenhöhe und man kann von einem spannenden Duell ausgehen. Das direkte Duell findet in Runde 10 am zweiten Spieltag statt. Horb startet in Gersweiler gegen Ratingen, Bochum, Mülheim, Diefflen und Düsseldorf. Mannheim spielt in Petterweil gegen Berlin, Mechenhard, Viernheim, Lübeck und Frankfurt. Auf die Duelle Horb gegen Düsseldorf und Mannheim gegen Viernheim kann man sich schon freuen. Viernheim hat das Nachwuchstalent Luca Pelikan dazugewonnen, dafür ist Marcus Faltermann nach Frankfurt gewechselt und Steven Hoffmann macht eine Pause. Viernheim wird wieder oben mitspielen, ob es weiter nach oben gehen kann, wird man sehen.


Und was macht Düsseldorf? Nach dem Titel 2021 spielen die Düsseldorfer weiter oben mit, aber die Tendenz geht weg von der Chance auf die Meisterschaft. Namhafte Verstärkungen sind nicht bekannt, schauen wir, mit wem Düsseldorf in Gersweiler antritt und wie vor allem das Duell gegen Horb ausgeht.
Wem kann man noch zutrauen, um die Meisterschaft mitzuspielen? Achern hat sich mit Dominique Tsuroupa (früher Zehlendorf) verstärkt, ein echter Kracher. Mit dem Achener Tehina Anania (und Sascha von Pless) holte „Dom“ den Triplette Titel 2025, wenn er an allen Spieltagen den weiten Weg von Berlin antritt, kann das Achern zu einem Mitfavoriten machen. Und dann ist da noch Mechenhard. Die „jungen Wilden“ haben sich weiter verstärkt, mit Tobias Moritz und Silvana Lichte stoßen ein Jugendweltmeister und eine Espoir Europameisterin zum Team. Im letzten Jahr Platz sieben, sollte es jetzt in die Top fünf gehen. Wie weit es nach oben geht, das wird schon der erste Spieltag zeigen, mit Partien gegen Viernheim und Mannheim.
Kleiner Funfact am Rande. Auf der Suche nach Spielerwechseln habe ich einmal in die DPV Rangliste geschaut. Einige Spieler sind einfach verschollen. Man suche z.B. Sylvian Ramon oder Dominique Tsuroupa ……beide mit Medaillen bei den DMs 2025 und sicher mit Punkten aus der Vorsaison.
Euer Tipp
Für wen wird es schwer?
Vier aus sechszehn = 25 Prozent lautet die Formel, um die Absteiger zu ermitteln, jeden Vierten wird es treffen. Erfahrungsgemäß haben es die Aufsteiger immer schwer, für die Teams in der hinteren Tabellenhälfte des Vorjahres, gilt dies genauso.
Die Aufsteiger
Souverän haben sich die Frankfurter bei der Aufstiegsrunde in Gersweiler im neuen Modus mit 8:1 Siegen durchgesetzt. Mit 7:2 folgte Ratingen, mit 6:3 Tübingen, dahinter wurde es knapp. Oppau, das am Aufstiegswochenende auf Maria Hein verzichten musste (Maria schnappte sich zeitgleich den Jugend Tireur Mixte WM Titel), zog in der letzten Runde noch an Krähenwinkel vorbei und ist nach zwei Jahren zurück in der Bundesliga.
Die Frankfurter haben mit Marcus Faltermann einen erfahrenen Bundesligaspieler dazugewonnen, dazu kommt mit Bassir Rezai ein starker Spieler der Hessenliga dazu. Auf der anderen Seite haben sie den Ausfall und den Trubel um Marcel Bomsdorf zu verkraften. Ein Vorteil ist, dass Frankfurt in Petterweil startet. Die kleine und feine Halle in Hessen, ist allen Frankfurtern Spielern bestens bekannt von vielen Spielen im Winter. Für alle vier Aufsteiger geht es im ersten Jahr um den Klassenerhalt. Es gilt möglichst viele der Mitaufsteiger und den einen oder anderen etablierten Bundesligisten hinter sich zu lassen und mindestens Platz zwölf zu belegen.
Wer kommt da in Frage? Bochum ist im Vorjahr dem Abstieg gerade noch entronnen, Mülheim hat einige Abgänge zu verkraften, Lübeck auf Platz 11 des Vorjahres gehört auch zum Kreis derer, die es diesmal treffen könnte. Der BC Achern auf Platz neun des Vorjahres, wird sich eher nach vorne orientieren. Für Saarbrücken ging es in den letzten Jahren eher Richtung zweite Hälfte der Tabelle, der Turnaround nach oben ist den Saarländern aber ebenso zuzutrauen. Bei Berlin wird man sehen, ob sich Verstärkungen aus Zehlendorf zum Team gesellen werden.
In jedem Fall wird es wieder spannend werden, im Kampf um die Meisterschaft und um den Kampf um die Plätze 2-12, ab Platz 13 geht es zurück in die Landesliegen. Freuen können wir uns auf interessante Spiele, junge Talente, deutsche Meister, Welt- und Europameister. Mögen die Spiele beginnen.
Euer Tipp
Der Fall Marcel Bomsdorf
Er rumorte schon einige Zeit in Hessen, am 06.03. berichtete petanque-aktuell über den Doping Fall Marcel Bomsdorf. Acht Monate Sperre für Marcel, weil er bei der Aufstiegsrunde von der NADA positiv getestet wurde. Die Fakten könnt ihr bei petanque aktuell nachlesen. Boule4u hat den DPV um eine Stellungnahme gebeten. Am 13.03. antwortete der DPV Präsident Michael Dörhöfer, dass es sich um ein schwebendes Verfahren handelt und der DPV zur Zeit keine Stellungnahme abgeben wird, diese soll nach Abschluss des Verfahren auf der DPV Webseite folgen.
Boule4u hat mit Marcel telefoniert. Die Sperre der NADA ist am 01.02.2026 in Kraft getreten. Marcel ist bis zum 30.9. gesperrt. Noch offen zum Zeitpunkt des Telefonats war, wie der DPV die Spiele der Aufstiegsrunde wertet, bei denen Marcel gespielt. Nach Aussage von Marcel, sprach die NADA die persönliche Sperre gegen ihn aus, der DPV konnte entscheiden, wie mit den Spielen mit seiner Beteiligung umgegangen werden sollte. Die NADA wollte dazu lediglich eine Empfehlung aussprechen. Da die DPB in zwei Wochen beginnt und Frankfurt nach wie vor im Spielplan steht, ist davon auszugehen, dass sich daran nichts mehr ändern wird.
Marcel hat sich mit einem Anwalt beraten und die Frist für einen Einspruch verstreichen lassen. Er kann ab dem 1.10. wieder in den Turnierbetrieb einsteigen. Bis dahin bleiben ihm wenige Möglichkeiten, seinem geliebten Hobby nachzugehen. Denn Marcel ist nicht nur für Lizenzturniere und Ligaspiele gesperrt, sondern für ALLE Turniere, die von einem dem DPV zugehörigen Verein veranstaltet werden.

Oft gibt es im Schlechten doch etwas Gutes. Marcel hat nun neue Medikamente, mit denen er sich besser fühlt.
Boule4u Meinung zum Fall Marcel
Ich bin kein Jurist sondern nur ein Sportfan. Aus vielen Sportarten kennt man Fälle, bei denen Athleten per TUE-Antrag (Therapeutic Use Exemption) die Einnahme von Medikamenten, die auf der Dopingliste stehen, aber aus medizinischen Gründen eingenommen werden müssen, legalisieren lassen. Marcel ist seit frühester Kindheit ein Asthma Patient und hat nachträglich (was möglich ist) den TUE-Antrag gestellt. Dieser wurde abgelehnt, da die NADA nicht glaubte, dass er sein veraltetes Medikament gegen sein Asthma genommen hat, sondern um die Leistung zu steigern. Für mich klingt das völlig absurd. Die Einnahme eines modernen Mittels wäre erlaubt gewesen. Ob man im Petanque eine Leistungssteigerung durch ein Asthmamittel erzielen kann, wage ich zu bezweifeln. Ein Freispruch nach dem TUE-Antrag wäre für mich die einzig logische Konsequenz gewesen. „Als HPV Sportwart hätte der Marcel das doch wissen müssen“, habe ich auf einem Boulkeplatz gehört. Hätte er? Wer bitte beschäftigt sich beim Petanque mit der Einnahme von gesundheitlich notwendigen Medikamenten und potenziellen Doping Verstößen? Müssen wir in Zukunft alle unsere Medikamente mit der Dopingliste abgleichen und TUE-Anträge stellen?
Und dann die Frage, warum eigentlich 8 Monate Sperre? Wenn man schon meint, eine symbolische Sperre (sonst liest man in der Regel von zwei oder vier Jahren Sperre bei Doping) aussprechen zu müssen, warum dann nicht drei Monate ab z.B. dem 1.12.25? Man erinnere sich an den Fall „Jannik Sinner„. Dort wurden drei Monate Sperre ausgesprochen, diese wurde in die Grand-Slam freie Zeit gelegt. Marcel für die schlechte Beratung seines Arztes zu bestrafen und ihm eine Saison im Peatanque Sport zu rauben, ist ein krasses Fehlurteil. Die Sperre auf fast alle „Freizeit-Turniere“ auszuweiten, ist die negative Krönung des Ganzen. Hier fehlt es der NADA völlig an Fingerspitzengefühl und Kenntnis des Petanque Sports. Und wie positionieren sich eigentlich HPV und DPV zu dem Thema? Wenn der DPV die Sperre mittragen sollte, wäre es dann nicht konsequent gewesen, die Frankfurter Spiele bei der Aufstiegsrunde, bei denen Marcel im Einsatz war, als verloren zu werten? Dies zeitnah mit allen Konsequenzen. So haben wir ein mehr als zweifelhaftes Urteil der NADA und ein (weiteres) schwarzes Loch auf Seiten des DPV.
Marcel wünsche ich alles Gute für seine Gesundheit und ich hoffe, dass er den Spaß am Petanque nicht verliert. Vielleicht unterstützt er seine Frankfurter in Petterweil als Zuschauer und wird dort hoffentlich von allen Sportlern wertschätzend empfangen und unterstützt.
Der Spielplan




