PPF Finale 2025
Am 7. und 8. März fand im Boulodrome du Douaisis das diesjährige PPF Finale statt. Da das Boulodrome nur 555 Kilometer von Kassel entfernt ist, eine prima Gelegenheit zum ersten mal ein PPF (Passion Pétanque Française) Finale zu besuchen. Zusammen mit fünf Boule Freunden hatten wir drei unvergessliche Tage in der Nähe von Sin-Le-Noble/Douai.

Die Teilnehmer
Die PPF ist eine private Organisation in Frankreich. Im Laufe eines Jahres werden unter der PPF Flagge Turniere durchgeführt. Am Ende des Jahres gibt es eine Rangliste der Spieler und Spielerinnen. Die Führenden in der Rangliste dürfen sich Teams (aus der Liste) für die Endrunde zusammenstellen. Die Endrunde findet immer im Frühjahr des folgenden Jahres statt. Bei den Herren sind 16 Teams in der Endrunde am Start, bei den Frauen nur 8 Teams.
Die Herren


Die Frauen

Der Ablauf
Die 16 Teams werden in vier Vierer-Poules gelost, bei den Frauen gibt es zwei Poules. In diesen wird wie bei einer DM gespielt. Mit zwei Siegen erreicht man den Sonntag, mit zwei Niederlagen ist man ausgeschieden. Die Teams, die ein 1:1 erreicht haben, spielen in der Barrage um den Einzug in den Finaltag. Alle Spiele am Samstag wurden mit Zeit Begrenzung (75 plus 2) gespielt.
Das Drumherum
Beim Euro-Cup wurden fast alle der 64 Bahnen und der Center Court benötigt. Diesmal wurden auf dem Center Court vier Bahnen präpariert, auf denen alle Spiele stattfanden. Der Rest der Halle wurde durch einen Vorhang abgetrennt. Der hintere Teil diente dem Catering der Zuschauer und der Spieler. Zusätzlich gab es die obligatorischen Verkaufsstände der Sponsoren. Besonders der Obut Truck und der PPF Stand erfreuten sich großer Beliebtheit. Vor der Halle gab es wieder den Foodtruck für Pommes und Würste im Baguette.
Die Teams wurden komplett ausgestattet. Shirts mit allen Sponsoren in vier verschiedenen Farben, Hosen und Schuhe vom Sponsor Eldera, wer eine Kappe tragen wollte, musste eine mit PPF Logo aufsetzen. Bei den Schuhen gab es immerhin zwei Abweichler. Einer, Ludovic Montoro, trat am Samstag mit eigener Kappe an, wurde aber schon in der ersten Partie „eingefangen“.




Die Organisation lief reibungslos, der Zeitplan wurde perfekt eingehalten. Am Samstag gab es einen permanenten Live Stream auf YouTube, am Sonntag übertrug das französische Fernsehen.
Das Frauen Turnier
Haushohe Favoriten waren die Teams eins und zwei um Cindy Peyrot und Charlotte Darodes. Beide setzten sich in ihren Poules souverän durch und ließen auch im Halbfinale nichts anbrennen. So kam es zum von allen erwartenden Endspiel. Dies war hochklassig und bis zum 11:11 extrem spannend und ausgeglichen. Am Ende setzte sich Charlotte an der Seite der Nationalspielerinnen Nelly Peyre und Torea Tairio gegen Cindy Peyrot, Anna Maillard und Sandrine Poinsot durch. Der Frust über die letzte Aufnahme (zu defensiv gespielt) war gerade Cindy Peyrot noch länger anzusehen.


Insgesamt war das Niveau des Frauen Turnier etwas schwächer als gedacht. Außer den beiden Top Teams hatten die anderen Teams doch einige Fehlkugeln und die Schussquoten lagen teilweise unter 50%. Die französischen Zuschauer nutzen einige Frauen Spiele für das Mittagessen oder einen späten Kaffee, die Halle war dann deutlich leerer. Schade
Viel Klasse






Und weitere Spielerinnen






Das Herren Turnier
Bei den Herren war der Kreis der Favoriten viel größer. Da waren die drei Marseille Sieger aus Madagaskar. Das Team der „drei R“, Rizzi, Rocher und Robineau. Die Vize Europameister Mikael Bonetto und Ludovic Montoro zusammen mit dem neuen „Wunderkind“ Dawson Herleman. Die x-fachen Welt- und Altmeister Henri Lacroix und Philippe Suchaud. Die Schwergewichte Baudino und Maurel mit dem ehemaligen Frejus Spieler Delahaye. Schon in der Vorrunde gab es spannende und hochklassige Begegnungen. Die drei „Rs“ holten sich zwei Siege und erreichten mühelos den Sonntag. Team Bonetto unterlag im ersten Spiel auf Zeit mit 7:8 (der Gegner schoss in den Zusatzaufnahmen zweimal die Sau ins Aus) und benötigte die Barrage, um den Sonntag zu erreichen. Ebenso das Team Baudino, das am Sonntag dann auf das Team Madagaskar traf.
Das Viertelfinale
Auf dem Fernseh-Platz gab es Bonetto gegen Rocher. Gespannt waren wir, wie Dawson Herleman, der 15 jährige Cousin von Mikael Bonetto, mit der Situation umgehen würde. Am Samstag spielte er großartig als Tireur und Milleau. Gegen Team Rocher begann er als Milleau, startete mit einem Loch und war anfangs sichtlich nervös. Später drehten Bonetto und Herleman und Dawson kam besser in die Partie. Am Ende siegten starke „Rs“ relativ souverän. Bei 0:6 und vier Carreaus von Mika und Dawson, hatte Montoro zweimal Schuss für Vier, ließ diese aber liegen. Statt einem möglichen 5:6, stand es 0:7 und die drei „Rs“ ließen sich nicht mehr stoppen. Tolles Spiel.



Das Team Lacroix setzte sich knapp gegen das Team Dubois durch, das Team Magny gewann gegen Mallet. Interessant war die Madagassen im Spiel gegen das Team Baudino zu beobachten. Das Team Baudino lieferte einiges an „Cinema“, die stoischen Madagassen versuchten die Ruhe zu bewahren. Bei 9:10 hatten die Madagassen zwei am Boden und Kugelvorteil, leisteten sich aber ein Doppelloch und gaben die Aufnahme noch ab. Statt einem möglichen 13:10, gab es dann ein 9:13.




Das Halbfinale
Auf dem Fernseh-Platz gab es wieder die „Rs“, diesmal gegen das Team Lacroix. Die Zuschauer sahen ein Carreau Festival vom Feinsten, mit leichten Vorteilen für Rocher und Rizzi. Einmal war ein Royal möglich, Lacroix und Suchaud hatten viermal getroffen, den fünften Treffer erzielte der Leger Petit-Jean. Rizzi legte mit der letzten Kugel wieder Punkt, Petit-Jean hatte Schuss für Fünf. Den ließ er liegen, danach war gegen sehr starke „Rs“ nichts mehr zu holen. Auf der Nachbarbahn zog das Team Magny dem Team Baudino deutlich mit 13:3 den Zahn.





Das Finale
Diego Rizzi, Dylan Rocher und Stephane Robinau waren sicher die großen Favoriten. Wenn Rizzi (aktuell mit zwei WM Titeln) und Rocher ihre Leistung bringen, sind sie kaum zu schlagen. Überragend spielte dazu Robineau, der wie ein Uhrwerk vorlegte. Viermal musste er nachschiessen, die ersten drei waren krachende Carreaus. So gingen die „Rs“ als Favoriten ins Finale. Dort trafen sie auf den bekannten madagassischen Leger Christian Andriantsehno an der Seite von Donovan Lamberger und Baldwin Magny. Und die hatten Bock auf das Finale. Magny und Lamberger trafen zunächst einfach Alles. Dylan Rocher schoss zweimal ein Doppelloch, früh musste Diego Rizzi sein Team mit einem Sauschuss retten und Rizzi wechselte auf die Tireur Position. So entwickelte sich ein spannendes und hochklassiges Endspiel. Bei 10:10 schoss Rizzi ein Carreau auf die erste Kugel von Christian. Donovon lochte zweimal. Sauschuß! Magny trifft, die Sau geht zwei Meter nach hinten, aber nicht ins Aus. Der nächste Sauschuss geht vorbei. Christian legt mit der letzten Kugel einen Punkt, mindestens einen Meter hinter der Sau. Nun wird es kurios. Die Punktkugel ist ca. 10 Meter entfernt, eigentlich ein Schuss für Schluss. Die „Rs“ legen aber. Robineau ist zweimal zu kurz! Rizzi will die Kugeln anspielen, generiert aber nur einen Punkt. Immer noch Schuss für Schluss. Dylan legt, die Kugel geht ins Aus. Kurze Diskussion, dann geht Dylan in den Kreis und haut die Kugel endlich weg für Drei und ein 13:10. Das beste Team des Wochenendes holt verdient den PPF Titel 2025. Stark!





Fazit
Viel mehr großartiges Petanque an einem Wochenende kann man nicht sehen. Das Boulodrome du Douaisis ist immer eine Reise wert. Die Veranstaltung war top organisiert und das Niveau außergewöhnlich hoch. Fast alle aktuellen französische Stars waren anwesend, dazu ein tolles Team aus Madagaskar. Die Preise waren mehr als fair. Umso unverständlicher war für mich, dass die Halle nur gut zur Hälfte gefüllt war. Aus Deutschland trafen wir noch eine Gruppe um Michael Weise und ein weiteres Paar. Schade, dieses Event hätte eine ausverkaufte Halle verdient. Die Stars waren alle zum „Anfassen“, alle Wünsche nach Fotos und Autogrammen wurden mit einem Lächeln erfüllt. Neben tollem Sport, konnte man den respektvollen und sportlichen Umgang der Spieler miteinander bewundern. Die Geste des Turniers lieferte Stephane Robineau. Direkt nach der Siegerehrung schenkte er seinen Siegerpokal einem Fan mit Handicap und machte mit ihm und Diego Fotos.
Ein großes Dankeschön
geht an meine Kasseler Reisegruppe für drei sehr schöne Tage und vor allem an meinen Freund Michael, der mich mit einer VIP Karte überraschte. So hatten wir nicht nur gutes Essen und ein spezielles Trikot, sondern auch Zugang zur ersten Reihe bei den Spielen. Dankeschön!!






Impressionen
































